Männergesangverein 1872 Haimendorf e. V.
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Unser Vereinsheim ist der Gasthof Rockenbrunn:

 

Gasthof Rockenbrunn

Rockenbrunn 1

90552 Röthenbach a.d.P.

Telefon: +49 9120 798

e-mail: info@gasthof-rockenbrunn.de

 


Hier finden Sie eine Anfahrtsbeschreibung zu unserem Vereinsheim.

 

 

 

Zur Geschichte unseres Vereinslokals

 

Im Jubiläumsjahr 2012 soll auch ein weiteres wichtiges Datum der Vereinschronik Erwähnung finden:

Seit genau 85 Jahren ist Rockenbrunn der "Stammsitz" der Haimendorfer Sänger!

 

 

Rockenbrunn Innenhof, Quelle

 

 

Im Jahr 1927 wechselte der Verein sein Probenlokal von der alten Gaststätte Heckel in Haimendorf zur Waldschänke nach Rockenbrunn. Im Protokollbuch findet sich über diese Entscheidung folgender Vermerk:

".1927:.....Nach den Erfahrungen der letzten Probe am 07. Mai bei Heckel sah sich der Verein veranlaßt ein neues Probelokal zu beziehen und fiel die Wahl einstimmig zu unserm langjährigen Mitglied Herrn Schramm Rockenbrunn, der bereitwilliger Weise annahm, in fürsorglicher Weise ließ er gleich die Befestigungshaken anbringen und gab unserm Vereinsbild einen Ehrenplatz im Gastzimmer. Bei der ersten Versammlung war unser Bild aufgehängt und mit einer Efeuranke geschmückt, was einen sehr guten Eindruck machte..."

Der Anlaß für den Vereinslokalwechsel ist, allerdings nur mündlich, überliefert:

Zu einer Feierlichkeit, die an einem Wochentag stattfand, gab es 1 Maß Freibier. Einige Sänger wollten nur eine Halbe Bier trinken und die Zweite am darauffolgenden Sonntag, wofür der Wirt seinerseits kein Einsehen hatte. Freibier ist bekanntlich Freibier und Geschäft ist Geschäft - die folgende Diskussion erhitzte die Gemüter so sehr, daß der Vorfall letztendlich zum Ortswechsel führte.

Dieses zusätzliche Jubiläum ist sicher ein guter Grund, um sich mit dem kulturhistorisch bedeutenden und beliebten Ort Rockenbrunn auseinanderzusetzen.

 

Die Geschichte Rockenbrunns beginnt frühest mit dem 16. Jh., als erstmals ein einzelnes Gut im Wald bei Haimendorf an der Quelle des Rockenbachs urkundlich erwähnt wird. Erst die Patrizierfamilie der Fürer von Haimendorf, die 1476 durch Heirat Sigmund Fürers mit Anna Tucher in den Besitz Haimendorfs gelangen, sollte für die spätere Entwicklung des Ortes ausschlaggebend werden.

 

Als Obereigentum der Fürer von Haimendorf wurde das Gut Rockenbrunn im 16. Jahrhundert von Christoph I. Fürer ausgebaut. Bereits zu dieser Zeit entstand um die Quelle ein quadratischer Brunnenhof, an Nord- und Westseite von zwei Flügeln eines Wohn- und Wirtschaftsgebäudes, südlich und östlich von einer Hofmauer umgeben. Es war die Zeit des Grundbesitzerwerbs Nürnberger Patrizier im Umland, die so ihr aus der Kaufmannschaft gewonnenes Vermögen anlegen wollten. Hygienische Überlegungen, von der Enge der Stadt und ihren vielfachen Seuchen Abstand zu nehmen sowie der Wunsch, dem Adel nachzueifern und einen Zweitwohnsitz im Grünen zu erwerben, spielten dabei eine nicht gering zu schätzende Rolle.

 

Hauptspaß und -zeitvertreib von Adel und Patriziat waren dabei Vogelfang, vor allem aber das Fischen und die Hetzjagd mit Hunden oder die Treibjagd, bei der das Wild mit Netzen in Gruben gefangen wurde. Auch die Patrizierfamilie der Fürer von Haimendorf frönte diesen Leidenschaften, so daß der umgestaltete Gutshof bald einen ständigen Verwalter beherbergte und nun Gesellschaften der Familie zur Verköstigung und Lustbarkeit nach beendeter Jagd zur Verfügung stehen konnte. Der Brunnenhof diente in frühester Zeit als Fischbecken. 1652 entstand nach einem weiteren Umbau unter Johannes Fürer der im großen und ganzen noch heute erhaltenen barocke Bau: Die zwei Gebäude an Nord- und Westseite haben ein massives Erdgeschoß und ein Fachwerk-Obergeschoß, unterhalb einer abgemeißelten Felswand im Osten, die in den Eichenwald hineinreicht, erhebt sich die Sandsteinmauer, in die drei Arkadennischen in den Fels eingetieft sind. Die gerade südliche Mauer des Brunnenhofs birgt den Stein mit der Inschrift der Zeit des Umbaus durch Johannes Mauritius Fürer, darunter das Fürer- und das Tucher-Wappen, sowie die Jahreszahl 1653:

 

JOHANNES MAURITIUS FURER AB HAIM

ENDORF CHRISTOPH FIL CHRISTOPH NEP

CHRISTOPH PRONET IN MAIORUM

SUORUM SUIQUE MEMORIAM

RESTAURARI ATQUE EXORNARI CURAVIT

 

(Johannes Mauritius Fürer v. Haimendorf, Sohn des Christoph, Enkel des Christoph, Urenkel des Christoph hat zum Gedächtnis an ihn und seine Ahnen Sorge getragen (Rockenbrunn) wiederherzustellen und auszuschmücken )

 

Eine weitere, größere Steinplatte rechts daneben enthält einen undatierten lateinischem Sinnspruch:

 

HOSPES PROPERAS PAULUM SISTITO

ET ADSPECTU LABOREM LENITO

QUOCUNQUE OCULOS VERTAS

SIVE IN MONTEM SIVE IN QUERCETUM

SIVE IN AMBULACRUM SIVE IN ANTRUM

SIVE IN SCATURIGINEM

SIVE IN AQUAS SALIENTES

SIVE IN PISCINAM IPSAM

LOCUS UNDIQUE MUSIS GRATISIMIS

CUI AD REFICIENDUM ANIMUM

CORPUSQUE NIHIL DEEST

 

Das wesentliche Erscheinungsbild wird geprägt durch die schöne barocke Balustergalerie mit Terasse entlang des südlichen und östlichen Mauerabschlusses, die sich in der Sandsteinbalustrade um das quadratischen Brunnenbecken wiederholt.

 

Wie früh die Familie Fürer ihr "Jagdgut mit Fischwirtschft" bereits für die Öffentlichkeit zugänglich machte, d. h. wie lange die Tradition eines Gasthauses im Rockenbrunner Gut bereits währt, belegt ein Rechtsstreit aus dem Jahr 1656:

Der Wirt Leonhard Kolb aus Leinburg reichte beim Nürnberger Rat Klage wegen Schmälerung seines Umsatzes ein. Moritz Fürer habe nach dem Bau einiger Stallungen in Rockenbrunn gegen seine Versprechungen dort nun ein ganz offizielles Gasthaus mit eigenem Wirt einrichten lassen. Obwohl nur Fürersche Untertanen und Vorüberreisende bewirtet werden sollten, werden nun Stadtgäste aller Art mit Wein, Bier und Speisen versorgt.

Die Klage scheint jedoch im Sand verlaufen zu sein, nicht zuletzt da die Ratsherren selbst häufige Gäste der beliebten Rockenbrunner Wirtschaft waren.

 

Im frühen 18. Jh. sind bereits der Wirt und Jäger Johann Heinrich Richter, eine Magd und zwei Beständner als ständige Bewohner Rockenbrunns urkundlich belegt.

 

Schon seit der Mitte des 17. Jahrhunderts war Rockenbrunn höchst beliebter Treffpunkt der Mitglieder des sogenannten "Pegnesischen Blumenordens" einer nach dem dreißigjährigen Krieg gegründeten Sprachgesellschaft der Reichsstadt Nürnberg, die sich in ihrer zweiten Gründungsphase unter Sigmund v. Birken und Martin Limburger um die Erhaltung deutscher Sprache und Dichtkunst im Sinne barocker Schäferromantik bemühte. Der Rockenbrunner Brunnenhof des Mitglieds und "Musenfreundes" Georg Sigmund Fürer v. Haimendorfs, eingebettet in die wildromantische Kulisse des umgebenden Eichenwaldes am Fuß des Moritzberges, galt den Poeten als "Heiligtum Bacchus und der Musen", ideal als Kulisse für Schäferspiele und zur dichterischen Inspiration.

 

Zitiert sei die Beschreibung Rockenbrunns aus einem barocken Büchlein, das anläßlich einer Wanderung zum Moritzberg von neun Mitgliedern des Ordens im Jahr 1677 herausgegeben wurde mit dem Titel "Der Norische Parnaß und Irdische Himmel-Garten (...) bewandlet und behandelt von Floridan (Sigmund v. Birken, Präsens des Ordens) in geleitschaft seiner Weidgenossen 1677":

 " ... Floridan fand allda den Schäfer Macarius/seinen lieben Verwandten: welcher ihn und seine Geselschaft alsofort in das Haus hinein führte.

Dieses war der sogenannte Rockenbrunn/dessen Umligenheit mit der innern Lustbarkeit wett-schönete: wie sie dann von ihrem Anführer erfuhren/daß diese Gegend im Lust hieße. Sie fanden darin einen einen offenen Platz an einem untermauerten Berg/oben von dreyen nebeneinander ligenden Spazirgängen gegen den Wänden bedecket. Unter dem mittelsten erschienen drey ausgemauerte Schwibbögen: und gienge man/ durch den untersten/ in eine Kluft oder Höle (...) Ferrando dachte hierbey an den Dodonischen Eichwald/ an die Trophonische Höle/ und an die Warsager Kluft des Apollo-Tempels zu Delfis in Gräcien."

 

Der Brunnenhof von Rockenbrunn diente als Anregung für ein weiteres außergewöhnliches Baudenkmal fränkischer Gartenkultur: Die von Johann Paul III. Paumgartner zu Ehren seiner zweiten Frau Sophia Maria Nützel erbaute kunstvolle Fassung der Sophienquelle im Park von Schloß Grünsberg bei Altdorf. Den mit den Fürern v. Haimendorf vielfach verwandten Paumgartnern war die nahegelegene Anlage Rockenbrunns mit Sicherheit bekannt, als Johann Paul III. im Jahre 1720 die Quellfassung erbauen ließ.

 

Am Ende einer Allee, ca. 420 Meter südwestlich von Burg Grünsberg, liegt die in die Böschung des Schwarzachtals gebaute Quellfassung aus Rhätsandstein inmitten eines wildromantischen unterholzreichen Mischwaldes unterhalb einer glatt abgemeiselten, steil ansteigenden Felswand. Die Quelle fällt über fünf Kaskadenbecken in den tiefer gelegenen runden Fischweiher hinab. Sie entspringt aus der Mitte der Rückwand ihrer einem Amphitheater ähnelnden Fassung, die links und rechts von zwei geländerlosen Freitreppen zangenförmig gerahmt wird. Die beiden Treppen führen zur Galerie über dem Bogen der Brunnenwand, deren Rückwand der steile Fels bildet. Ursprünglich bildete den Abschluß über der Brunnenwand ein kunstvolles Baluster-Säulengeländer als Brüstung der Galerie.

 

Von Anfang an war die Sophienquelle den Studenten der nahen Altdorfer Universität sowie jedem zugänglich, der sich im Grünsberger Wald "ergehen" wollte. Ein außergewöhnlicher Umstand für herrschaftliche Gartenanlagen des Hochbarock.

 

Die Sophienquelle und Rockenbrunn verkörpern zwei der interessantesten überlieferten Baudenkmäler zur barocken Gartenkultur der Region, die in ihrer Unbegrenztheit zur umgebenden Waldwildnis und in ihrer sehr frühen Öffnung für die Allgemeinheit wesentliche Merkmale sentimentalen Naturempfindens des späteren Landschaftsgartens vorwegnehmen.

 

Deutlich wird diese frühe empfindsame Naturbetrachtung nochmals durch die Übersetzung der lateinischen Inschrift im Brunnenhof von Rockenbrunn. Mauritius Hoffmann, ein Professor der Altdorfer Universität und Mitglied des Blumenordens hat sie in seiner Beschreibung des Moritzberges ("Montis Mauriciani descriptio") von 1694 verdeutscht:

 

"Fremdling, Du eilst? Halte doch ein!

 Die Schau der Natur lindert die Lebenspein.

 Wohin die Blicke gleiten,

 Auf Bergeshöh', zur Grottenschlucht,

 Zum Eichenwald, in seiner Pfade Flucht,

 An den frischen Strudelquell.

 Wo sprudelnde Wässerlein hüpfen schnell,

 oder gar an dem Karpfenteich,

 Der Ort gefällt mir als Musenreich!

 Hier wird gelindert jede Qual

 An Leib und Seel."

 

Auch heute noch ist Rockenbrunn für seine wahren Kenner und Liebhaber ein gern genutzter und sehr geschätzter Ruhepol inmitten von Streß und Alltagssorgen.

Die Verbindung zwischen Gaststätte und Kultur, zwischen leiblichen und geistigen Genüssen, diese zweifache Tradition also, hat sich bis heute fortgesetzt: Zum einen ist Rockenbrunn nach wie vor ein beliebtes und gut besuchtes Gasthaus, zum anderen finden dort regelmäßig Lesungen und Konzerte statt.

Die Sänger vom Männergesangverein Haimendorf sind sich dessen bewußt, daß sie in Rockenbrunn eine Bleibe gefunden haben, um die sie mancher Sänger - und Kunstfreund beneidet.

 

 

Dr. Ina Schönwald, Schnaittach

 

 

 

 

Literatur:

 

Kügel, Werner: Auf dem fränkischen Parnaß. Eine österliche Landpartie auf den Spuren des Blumenordens. Osterbeilage der Nürnberger Zeitung, Samstag 2. April 1994, Nr. 76, Seite 8.

 

Pegnesischer Blumenorden (Hrsg.): Pegnesischer Blumenorden in Nürnberg. Festschrift zum 350jährigen Jubiläum, Nürnberg 1994.

 

Pfeiffer, Eckhardt (Hrsg.): Nürnberger Land, Herbruck 1982.

Rusam, Hermann: Der Irrhain des Pegnesischen Blumenordens zu Nürnberg, Schriftenreihe der Altnürnberger Landschaft, Band XXXIII,Nürnberg 1983.

 

Schwemmer, Wilhelm Dr.: Röthenbach an der Pegnitz. Die Geschichte einer Industriestadt, Schriftenreihe der Altnürnberger Landschaft, Band XXX, Nürnberg 1982.

 

Stromer, Wolfgang Prof. Frhr.v.: Die Sophienquelle im Schloßpark von Grünsberg, Mitteilungen der Altnürnberger Landschaft, Sonderheft 1, 29. Jhrg., Nürnberg 1980.